EU-Roaming-Regeln 2026: Roam Like At Home, Fair-Use-Policy und Ausnahmen
Roam Like At Home: Das Grundprinzip erklärt
Seit dem 15. Juni 2017 gilt in der Europäischen Union das Prinzip Roam Like At Home (RLAH). Das bedeutet: Wenn du mit deinem deutschen Mobilfunkvertrag in einem anderen EU-Land telefonierst, SMS schickst oder surfst, zahlst du nicht mehr als zu Hause. Die Minuten, SMS und Gigabyte, die du im EU-Ausland verbrauchst, werden genauso abgerechnet wie im Inland – als Teil deines normalen Vertragstarifs.
Der RLAH-Grundsatz wird automatisch aktiviert, sobald du im EU-Ausland dein Handy einschaltest und dich in ein dortiges Netz einwählst. Du musst nichts beantragen oder buchen. Seit dem 1. Juli 2022 wurde das System um zusätzliche Verbraucherrechte erweitert: Du solltest im Ausland dieselbe Netzqualität erhalten wie zu Hause, inklusive 5G, sofern dein Heimatnetzbetreiber dies technisch bereitstellen kann. Bei der Einreise in ein EU-Land erhältst du außerdem automatisch eine SMS mit den wichtigsten Roaming-Informationen.
Wichtig: Roam Like At Home ist für zeitlich begrenztes Reisen gedacht. Es ist kein Freifahrtschein für dauerhaftes Leben im Ausland mit einem deutschen Vertrag. Wer über einen Zeitraum von vier Monaten mehr Roaming-Dienste im Ausland als zu Hause nutzt, kann vom Anbieter kontaktiert werden und surcharge-pflichtig werden.
Diese Länder sind inkludiert: Die RLAH-Zone 2026
Die Roam-Like-At-Home-Zone umfasst die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie zusätzlich Island, Liechtenstein, Norwegen (die drei EWR-Staaten) und seit dem 1. Januar 2026 auch die Ukraine und Moldau. Das ist eine wichtige Neuerung: EU-Bürger, die in die Ukraine oder nach Moldau reisen, können nun mobile Sprach-, SMS- und Datendienste zu Inlandspreisen nutzen, ohne zusätzliche Roaming-Gebühren zu zahlen. Dasselbe gilt umgekehrt für ukrainische und moldauische Bürger, die in EU-Mitgliedstaaten roamen.
Die vollständige RLAH-Zone 2026 umfasst: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn und Zypern (die 27 EU-Staaten) sowie Island, Liechtenstein, Norwegen, die Ukraine und Moldau.
Die Europäische Kommission hat im Februar 2026 außerdem vorgeschlagen, Verhandlungen mit den Westbalkan-Staaten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien aufzunehmen, um auch diese in das RLAH-System zu integrieren. Bis das umgesetzt ist, gelten dort jedoch noch klassische Roaming-Gebühren.
Nicht in der RLAH-Zone befinden sich die Schweiz, das Vereinigte Königreich (nach dem Brexit) sowie viele beliebte Reiseländer außerhalb Europas wie die Türkei, die USA oder Marokko. Für diese Länder gelten separate Regelungen.
Fair-Use-Policy: Die Grenze für unbegrenzte Tarife
Die Fair-Use-Policy (FUP) ist der wichtigste Mechanismus, der verhindert, dass Roam Like At Home missbraucht wird. Sie greift insbesondere bei Tarifen mit unbegrenztem Datenvolumen (Unlimited) oder bei sehr günstigen Tarifen, bei denen der Preis pro Gigabyte unter dem Großhandelspreis (Wholesale Cap) liegt, den dein Anbieter an den ausländischen Netzbetreiber zahlen muss.
Der EU-Großhandelspreis für Datenroaming sinkt schrittweise: Von 2 Euro pro GB im Jahr 2022 auf 1 Euro pro GB bis 2027. Wenn dein Tarif diesen Preis unterschreitet, darf dein Anbieter eine Fair-Use-Grenze für das Datenvolumen im Roaming festlegen. Diese Grenze muss hoch genug sein, um die meisten bis alle Roaming-Bedürfnisse eines durchschnittlichen Nutzers zu decken.
Die Berechnung der FUP-Grenze ist gesetzlich geregelt. Die Roaming-Datenmenge muss mindestens dem Doppelten des Volumens entsprechen, das sich ergibt, wenn man den Preis deines Mobilfunkpakets (ohne Mehrwertsteuer) durch den regulierten Großhandelspreis pro GB teilt. Die Formel lautet:
2 × (Preis des Mobilfunkpakets ohne MwSt. / regulierter Großhandelspreis pro GB) = Datenlimit in GB beim Roaming
Beispiel: Du zahlst 20 Euro im Monat (ohne MwSt.) für deinen Tarif. Bei einem Wholesale Cap von 1,55 Euro pro GB (Beispielwert) ergibt sich ein Roaming-Limit von rund 25,8 GB. Erreichst du diese Grenze, kannst du weiterhin roaming – zahlst dann aber einen kleinen Aufschlag, der maximal 2 Euro pro GB (bis 2027) betragen darf.
Dein Anbieter muss dich informieren, bevor du 80 Prozent des Limits erreichst, sowie bei 50 Euro und 100 Euro zusätzlicher Roaming-Kosten in einem Abrechnungszeitraum. Du kannst dich gegen dieses automatische Kappungslimit (Cut-off-Limit) entscheiden oder wieder aktivieren.
Was ist im EU-Roaming inkludiert?
Roam Like At Home deckt die Kernfunktionen der mobilen Kommunikation ab, die du auch zu Hause nutzt. Konkret sind folgende Dienste inkludiert:
Telefonie: Eingehende Anrufe sind im EU-Ausland kostenlos. Ausgehende Anrufe in dein Heimatland (z. B. von Spanien nach Deutschland) werden wie Inlandsgespräche abgerechnet – sie zählen also von deinem vertraglichen Freiminuten-Kontingent oder zum Inlandspreis. Anrufe in das Land, in dem du dich befindest (z. B. von Spanien nach Spanien), oder in andere EU-Länder können jedoch Aufschläge kosten.
SMS: Das Versenden von SMS ins Heimatland und innerhalb der EU ist inkludiert. Der Empfang von SMS ist immer kostenlos.
Mobile Daten: Das Datenvolumen, das du im EU-Ausland verbrauchst, wird von deinem Inlandspaket abgezogen. Bei Unlimited-Tarifen greift die Fair-Use-Policy. Die Netzqualität sollte der zu Hause entsprechen – inklusive 5G, sofern dein Anbieter dies technisch unterstützen kann und im Gastlandnetz verfügbar ist.
Notrufe: Die 112 funktioniert in der gesamten EU. Seit Juni 2023 erhältst du bei der Einreise automatisch eine Nachricht, die dich über die 112 und alternative Zugangsmöglichkeiten zu Notdiensten informiert (z. B. Real-Time-Text oder Notruf-Apps). Wer keinen Sprachanruf tätigen kann, darf diese alternativen Mittel nutzen.
Nicht inkludiert sind Mehrwertdienste (z. B. Anrufe bei Kundenservice-Hotlines, Airlines oder Versicherungs-Hotlines), die im Ausland oft höher bepreist werden. Dein Anbieter muss dich jedoch über solche möglichen Zusatzkosten informieren – sowohl im Vertrag als auch in der SMS, die du bei Grenzübertritt erhältst.
Ausnahmen: Schweiz, UK nach Brexit und andere Nicht-EU-Länder
Drei besonders wichtige Ausnahmen betreffen deutsche Reisende: die Schweiz, das Vereinigte Königreich und Nicht-EU-Länder. Hier gelten besondere Regelungen, die du vor der Reise kennen solltest.
Die Schweiz ist kein EU-Mitglied und nicht Teil der Roam-Like-At-Home-Zone. Deutsche Mobilfunkanbieter dürfen hier klassische Roaming-Gebühren erheben, die deutlich über den EU-Konditionen liegen. Allerdings haben viele deutsche Anbieter (z. B. Telekom, Vodafone, O2) spezielle Schweiz-Pakete oder Tarife, die Roaming in der Schweiz günstiger oder inkludiert machen. Einige Anbieter bieten die Schweiz als kostenloses Roaming-Ziel an, andere verlangen Aufschläge. Prüfe unbedingt vor der Reise, ob dein Tarif die Schweiz abdeckt.
Das Vereinigte Königreich nach dem Brexit: Seit dem Austritt aus der EU gilt RLAH im UK nicht mehr automatisch. Die Europäische Kommission stellt klar: Da das UK die EU verlassen hat, greift das Roam-Like-At-Home-Regime bei Reisen ins Vereinigte Königreich nicht. Allerdings haben sich einige Netzbetreiber freiwillig entschieden, die Vorteile von Roam Like At Home beizubehalten – du solltest bei deinem Anbieter nachfragen, bevor du ins UK reist. Viele deutsche Anbieter bieten inzwischen UK-Roaming ohne Aufpreis an, aber es ist keine gesetzliche Pflicht mehr.
Andere Nicht-EU-Länder: Für Länder wie die Türkei, Marokko, Tunesien, die USA oder außereuropäische Ziele gelten klassische, oft hohe Roaming-Gebühren. Hier lohnen sich spezielle Auslandsoptionen, Travel-SIM-Karten oder das lokale WLAN. Achtung auch bei Grenzregionen: Wenn du nahe der Schweizer Grenze lebst, kann sich dein Handy automatisch in ein Schweizer Netz einbuchen (sogenanntes versehentliches Roaming), was zu ungeplanten Kosten führt.
Satelliten- und Bordnetzwerke: Wenn du auf einem Flug oder auf einem Schiff ein Nicht-Bodennetzwerk (z. B. Satellitenverbindung) nutzt, greift RLAH nicht. Diese Dienste haben meist hohe Aufschläge. Du solltest eine automatische Warnung erhalten, und bei 50 Euro zusätzlicher Kosten wird der Dienst automatisch gestoppt.
5G-Roaming und Netzqualität im Ausland
Eine wichtige Erweiterung seit dem 1. Juli 2022 betrifft die Netzqualität im Ausland. Roam Like At Home bedeutet nicht nur gleiche Preise, sondern auch gleiche Qualität – das schließt 5G ein. Wenn du zu Hause 5G nutzt, solltest du auch im EU-Ausland Zugang zu 5G haben, sofern das Gastlandnetz dies technisch unterstützt und dein Anbieter eine entsprechende Vereinbarung mit dem ausländischen Netzbetreiber hat.
Die Telekom bietet beispielsweise 5G-Roaming in über 120 Ländern an und arbeitet mit rund 300 Partnernetzen weltweit. Das bedeutet: Auch außerhalb der EU kannst du in vielen Ländern 5G nutzen – dann allerdings gegen Bezahlung, da RLAH nur für die EU-Zone gilt.
O2 (Telefónica Deutschland) arbeitet weltweit mit über 540 Mobilfunk-Netzbetreibern als Roaming-Partnern in über 190 Ländern zusammen. Auch hier gilt: Innerhalb der EU-Zone zum Inlandspreis, außerhalb gegen Roaming-Gebühren.
Die Europäische Kommission hat im September 2025 eine Studie zur Qualität von Roaming-Diensten veröffentlicht, die die mobile Datenqualität für roaming-Nutzer bewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Qualität in den meisten EU-Ländern gut ist, aber länderspezifische Unterschiede bestehen. Du kannst die Netzqualität im Ausland mit der kostenlosen netBravo-App der EU-Kommission testen (verfügbar für Apple und Android).
Praxistipp: Wenn du im EU-Ausland 5G nutzen möchtest, stelle sicher, dass 5G in deinem Tarif freigeschaltet ist und dein Smartphone 5G unterstützt. Manche älteren Tarife unterstützen nur 4G-Roaming.
Praxistipps: So vermeidest du Roaming-Kostenfallen
Auch wenn Roam Like At Home viel einfacher gemacht hat, gibt es einige Kostenfallen, die du kennen solltest. Mit diesen Tipps bleibst du im EU-Ausland entspannt und vermeidest böse Überraschungen auf der Rechnung.
1. Tarif vor der Reise prüfen: Schau in deine Tarifdetails oder die App deines Anbieters. Finde heraus, wie hoch deine Fair-Use-Grenze für Roaming-Daten ist und ob die Schweiz oder das UK in deinem Tarif inkludiert sind. Die meisten Anbieter zeigen das transparent an.
2. Daten-Roaming aktivieren: Damit du im Ausland überhaupt surfen kannst, muss Daten-Roaming in den Einstellungen deines Smartphones aktiviert sein. Schalte es aus, wenn du es nicht brauchst, um versehentliches Roaming in Grenzregionen zu vermeiden.
3. Auf automatische Netzwahl achten: Dein Handy wählt sich im Ausland automatisch ins stärkste Netz ein. In Grenzregionen (z. B. am Bodensee nahe der Schweiz) kann das ein Nicht-EU-Netz sein. Stelle sicher, dass du im EU-Netz bist, oder wähle das Netz manuell.
4. Cut-off-Limit nutzen: Lass das automatische Kappungslimit aktiviert, das dich vor unerwartet hohen Kosten schützt. Du wirst bei 50 Euro und 100 Euro zusätzlicher Roaming-Kosten informiert und kannst den Dienst fortsetzen, wenn du zustimmst.
5. Anrufe in Drittländer vermeiden: Anrufe von Deutschland nach Spanien (während du in Spanien bist) sind wie Inlandsgespräche. Anrufe von Spanien in die Schweiz oder Türkei kosten jedoch extra. Nutze bei Bedarf Messenger wie WhatsApp über WLAN.
6. Bei Beschwerden richtig vorgehen: Wenn du ungerechtfertigte Roaming-Kosten berechnet bekommst, wende dich zuerst an deinen Anbieter, der eine Beschwerdeprozedur haben muss. Hält der Anbieter die Beschwerde aufrecht, kannst du dich an die Bundesnetzagentur als zuständige nationale Fernmeldebehörde wenden.
7. Außerhalb der EU: Travel-SIM oder lokalen Tarif nutzen: Für Länder außerhalb der RLAH-Zone (Schweiz, UK, Türkei, USA) lohnt sich oft eine lokale Prepaid-SIM oder eine eSIM eines spezialisierten Anbieters. Das ist meist deutlich günstiger als klassisches Roaming.
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Was kostet das Surfen im EU-Ausland 2026?
Innerhalb der EU-Roam-Like-At-Home-Zone kostet das Surfen nicht mehr als zu Hause – dein Datenvolumen wird vom Inlandspaket abgezogen. Bei Unlimited-Tarifen oder sehr günstigen Tarifen greift die Fair-Use-Policy, die ein Roaming-Datenlimit festlegt. Über dieses Limit hinaus zahlst du maximal 2 Euro pro GB (sinkt bis 2027 auf 1 Euro pro GB).
Ist Roaming in der Schweiz kostenlos?
Nein, die Schweiz ist nicht Teil der EU und nicht in der Roam-Like-At-Home-Zone. Deutsche Anbieter dürfen hier Roaming-Gebühren erheben. Einige Anbieter bieten jedoch spezielle Schweiz-Pakete oder Tarife an, die Roaming in der Schweiz inkludieren. Prüfe vor der Reise deine Tarifdetails. Achtung in Grenzregionen: Dein Handy kann sich versehentlich in ein Schweizer Netz einbuchen.
Gilt Roam Like At Home noch für Großbritannien nach dem Brexit?
Nein, seit dem Brexit gilt das Roam-Like-At-Home-Regime für das UK nicht mehr automatisch. Einige deutsche Netzbetreiber haben sich jedoch freiwillig entschieden, die Vorteile beizubehalten. Du solltest bei deinem Anbieter nachfragen, bevor du ins Vereinigte Königreich reist, ob UK-Roaming ohne Aufpreis in deinem Tarif inkludiert ist.
Wie hoch ist die Fair-Use-Grenze für mein Roaming-Datenvolumen?
Die Grenze ist gesetzlich geregelt: Sie entspricht mindestens dem Doppelten des Volumens, das sich aus dem Preis deines Mobilfunkpakets (ohne MwSt.) geteilt durch den EU-Großhandelspreis pro GB ergibt. Dein Anbieter muss dich informieren, bevor du 80 Prozent erreichst. Die genaue Zahl findest du in deiner Anbieter-App oder den Tarifdetails.
Welche Länder sind 2026 in der EU-Roaming-Zone?
Die Zone umfasst die 27 EU-Staaten plus Island, Liechtenstein, Norwegen und seit dem 1. Januar 2026 auch die Ukraine und Moldau. Die Europäische Kommission hat zudem im Februar 2026 vorgeschlagen, Verhandlungen mit den Westbalkan-Staaten (Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien) aufzunehmen.